Investmentfonds – Änderungen in dem Ausweis von Finanzinstrumenten im Einklang mit IFRS

Die Novelle der Verordnung Nr. 501/2002 GBl. ändert insbesondere die Art der Ausweisung, der Bewertung und der Informationsangabe über Finanzinstrumente (Definition des Begriffs vgl.  IFRS). Die Verfahren, die Investitionsgesellschaften und deren Fonds ab 2021 zu verfolgen haben, gehen insbesondere von der Vorschrift IFRS 9 Finanzinstrumente, ferner dann von IAS 32 Finanzinstrumente aus: Ausweis und IFRS 7 Finanzinstrumente: Angaben. Nachstehend stehen die wichtigsten Änderungen, die Novelle mit sich bringt, im Überblick.

 

IFRS 9 Finanzinstrumente

Finanzielle Vermögenswerte

Finanzielle Vermögenswerte werden laut IFRS 9 nach dem Besitzzweck und der Art der künftigen Geldflüsse in drei Grundkategorien aufgeteilt, die sich durch deren Bewertungsart unterscheiden. Für die richtige Einstufung des Finanzinstruments ist sein Wesen, und nicht seine Rechtsform maßgebend.

Bewertung

Zweck des Haltens des Vermögenswertes

Art der künftigen Geldflüsse

Fortgeführte Anschaffungskosten (AC)

Erwerb von Vertragsgeldflüssen

Tilgungen von Kreditbeträgen und Zinsen

Zeitwert mit Umbewertung, mit FVOCI-Erfassung

Erwerb von Vertragsgeldflüssen und Verkauf des finanziellen Vermögenswertes

Zeitwert mit Umbewertung, mit FVPL-Erfassung

Handel und alle sonstigen Aktiva, die nicht in die o.a. Kategorien fallen

 

 

Aus dem oben Genannten ergibt sich, dass Buchungseinheiten bei ihren Portfolios oder deren Teilen die Klassifikation umwerten und nachfolgend deren Bewertung anpassen müssen.  

Kapitalfinanzvermögenswerte werden in der Kategorie FVPL klassifiziert und bewertet, sofern von der Buchungseinheit nicht die Kategorie FVOCI gewählt wurde. Die Umbewertung ins Kapital zu buchen ist jedoch bei den finanziellen Vermögenswerten die zum Handeln bestimmt sind, nicht erlaubt. Bei Kapitalvermögenswerten, die zum Handeln bestimmt sind, erfolgt daher keine Buchungsänderung mit dem Übergang auf IFRS 9. Zur abweichenden Buchung der Umbewertung nach der Einführung von IFRS 9 kann es beispielsweise bei Beteiligungen mit wesentlichem oder entscheidendem Einfluss kommen, bei denen die Umbewertung bis Ende 2020 ins Kapital gebucht wird und es wird im nächsten Jahr möglich die Entscheidung zu treffen, ob die Umbewertung ins Kapital oder ins Wirtschaftsergebnis gebucht wird.

Finanzielle Verbindlichkeiten

Finanzielle Verbindlichkeiten, zu denen z. B. Geschäftsverpflichtungen, erhaltene Kredite und Darlehen gehören, werden laut IFRS 9 zum Restbuchwert (AC) bewertet. Bei Darlehen für Investitionstätigkeit zu Beispiel erfolgte die Bewertung bisher zum Zeitwert, im Falle von Nichtinvestmentdarlehen (z.B. bei Investitionsgesellschaften) zum Restwert.

Sonstige Verbindlichkeiten werden auf den Zeitwert mit der Auswirkung auf das Wirtschaftsergebnis (Änderungen des Zeitwertes, die sich aus der Änderung der Marktgrößen ergeben – z.B. bei Derivaten) oder mit dem Einfluss auf das sonstige vollständige Wirtschaftsergebnis (Änderungen des Zeitwertes, die sich aus den Änderungen des Kreditrisikos der Buchungseinheit ergeben) neu bewertet. Bei der Bewertung auf den Zeitwert wird es in der Praxis nötig sein bei den entsprechenden finanziellen Verbindlichkeiten den Einfluss des Kreditrisikos und der Marktrisiken infolge deren abweichenden Buchung zu unterscheiden.   

IAS 32 Finanzinstrumente: Ausweis

Für die Unterscheidung zwischen der finanziellen Verbindlichkeit und dem Kapitalinstrument trägt der Faktor eine Schlüsselbedeutung, ob eine Vertragsverpflichtung der Buchungseinheit besteht eine Barleistung zu gewähren (bzw. ein anderes Finanzinstrument zu liefern). In der Praxis kann das heißen, dass ausgegebene Investmentinstrumente unter der Erfüllung der oben genannten Bedingung zu finanziellen Verbindlichkeiten gezählt werden. Investmentaktien, mit denen das Recht des Inhabers auf den Rückkauf von dem Fonds verbunden ist und mit denen das Stimmrecht auf der Versammlung des Fonds nicht verbunden ist, sind neu als Bestandteil des Fremdkapitals der Buchungseinheit auszuweisen.

Die Buchung der ausgestellten Wertpapiere wird auch einen Einfluss auf den Ausweis der Geschäftsvorfälle haben, die mit dem jeweiligen Wertpapier zusammenhängen (Zinsen, Dividenden, Gewinne und Verluste). Bei finanziellen Verbindlichkeiten sind die zusammenhängenden Geschäftsvorfälle im Rahmen des Wirtschaftsergebnisses gebucht. Ein anderer Fall liegt vor, bei den Kapitalinstrumenten die ins Kapital gebucht werden. Ausgeschüttelte Dividenden aus dem ausgestellten Investmentinstrument, das die Bedingungen für die Zählung zu finanziellen Verbindlichkeiten erfüllt, werden nicht mehr weiter Nettoaktiva senken, sondern das Wirtschaftsergebnis.

Modell der erwarteten Verluste

Das Wesen des Modells ist es in der Buchhaltung Verluste zu berücksichtigen, die in Zukunft erwartet werden, und nicht die Bildung von Wertberichtigungen erst auf Grund des objektiven Beweises.  Wertberichtigungen werden bereits bei der Entstehung des Finanzvermögenswertes gebildet, d.h.  erwarteter Jahresverlust. Nachfolgend kann der Finanzvermögenswert bei einer bedeutenden Erhöhung des Kreditrisikos oder bei nachfolgender Kreditabwertung in weitere Stufen fallen, in denen Wertberichtigungen ausgewiesen werden, die den Verlusten während des Bestehens der Finanzvermögenswerte entsprechen. Bei Finanzvermögenswerten, die zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet werden, und bei Schuldaktiva, die zum Zeitwert mit dem Einfluss auf das vollständige Wirtschaftsergebnis bewertet werden, wird es nötig sein im Anhang zum Jahresabschluss die erwarteten Verluste im Einklang mit IFRS 9 zu berechnen und auszuweisen.

Die Buchungseinheit sollte eine Analyse historischer Verluste durchführen und auch die Entwicklung der finanziellen Vermögenswerte in Zukunft auswerten. Für Fonds mit kurzer Investitionsgeschichte kann es schwieriger sein die Analyse der historischen Verluste zu belegen.

Für bestimmte Arten der finanziellen Vermögenswerte ist es möglich auch Gebrauch vom vereinfachten Verfahren zu machen. Bei finanziellen Vermögenswerten mit niedrigem Risiko ist es möglich Wertberichtigungen in Höhe des erwarteten Jahresverlustes zu bilden (kann z.B. Nichtinvestitionsforderungen oder Forderungen an Banken betreffen). Bei Geschäftsforderungen dagegen und Vertragsaktiva aus den nach IFRS 15 geregelten Geschäftsvorfällen, die kein bedeutendes Finanzelement beinhalten, können Wertberichtigungen in Höhe von lebenslangen Verlusten sofort beim ersten Ausweis gebucht werden und die Entwicklung des Risikos dieser Forderungen für Zwecke des Übergangs zwischen den einzelnen Stufen des Modells des erwarteten Verlusts nicht verfolgt werden. Auch bei vereinfachten Verfahren ist es jedoch nötig Wertberichtigungen auch auf finanzielle Vermögenswerte zu bilden, die noch nicht überfällig sind.

IFRS 16 Leasing

Sind Investmentfonds oder Investmentgesellschaften Mieter, sind sie bei langfristigeren und bedeutenderen Mietverträgen verpflichtet Leasing (operatives Leasing und Finanzierungsleasing) zu buchen. In Aktiva der Buchungseinheit wird es nötig sein Nutzungsrechte zu erfassen, die Gegenstand der Leasingvereinbarungen sind, und zugleich wird es nötig sein die Verpflichtung zu buchen, die sich aus der Pflicht Leasingraten zu zahlen ergibt.  

Der Einfluss von IFRS 16 ist insbesondere bei Investmentgesellschaften oder Händlern mit Wertpapieren zu erwarten, wenn der gezahlte Mietzins die Bedingungen für dessen Buchung gemäß IFRS 16 erfüllen wird.

IFRS 7 Finanzinstrumente: Angaben

Die Struktur der Rechnungslegungsdokumente bei Investmentfonds bleibt unverändert. Es erfolgt aber die Ausdehnung der Anforderungen an den Anhang des Jahresabschlusses der Investmentfonds. Der Anhang zum Jahresabschluss ist mit neuen Informationen im Einklang mit dem IFRS 7 auszudehnen, die viel umfangreicher sind als die bisherigen vorgeschriebenen Anforderungen.

Veröffentlichung des Zeitwertes im Anhang zum Jahresabschluss

Neu wird es nötig sein die Arten der Berechnung der Zeitwerte einschließlich deren Ebene zu veröffentlichen. Für die Festlegung des Zeitwertes des einschlägigen Finanzinstruments ist eine Drei-Stufen-Hierarchie festgelegt. 

Laut IFRS 13 wird es nötig sein im Anhang zum Jahresabschluss unter anderem Folgendes zu veröffentlichen:

  • Bewertungsmethoden zum Zeitwert und Inputgrößen, die für die Vornahme der Bewertung angewandt wurden; falls eine Änderung der Bewertungsmethode erfolgte, hat die Buchungseinheit die Änderung sowie die Gründe dafür zu veröffentlichen
  • bei wiederholten Bewertungen zum Zeitwert im Rahmen der dritten Ebene wird es nötig sein den Einfluss auf das Wirtschaftsergebnis oder das sonstige vollständiges Ergebnis des jeweiligen Zeitraums anzugeben.

 

Risikomanagement

Im Anhang zum Jahresabschluss wird es nötig sein den Teil des Anhangs, der sich mit Risiken befasst, zu ergänzen, sodass er alle folgenden Informationen beinhaltet: i) welche Risiken sind mit den angewandten Finanzinstrumenten verbunden, ii) welche Finanzinstrumente betreffen die genannten Risiken und iii) wie werden die erwähnten Risiken gemessen und gesteuert. Es wird nötig sein Tabellen betreffend Liquidität, Sensitivität auf Änderungen der Zinssätze und Fremdwährungen zu veröffentlichen.

Ausweis des vergleichbaren Zeitraumes

Laut der Übergangsbestimmung des Standards IFRS 9 wird es möglich sein Gebrauch von der modifizierten retrospektiven Regelung zu machen: Buchwerte werden zum Anfang 2021 neu berechnet und etwaige Unterschiede werden gegenüber Wirtschaftsergebnisse aus Vorjahren gebucht. Die Werte des vergleichbaren Zeitraumes müssen nicht berichtigt werden.

Wirksamkeit und Empfehlung

Die IFRS 9-Umsetzung hat nicht nur Einfluss auf den Jahresabschluss der Gesellschaft, sondern auch auf betriebliche und Organisationsmaßnahmen von Finanzinstituten und ist grundlegend auch für die regelmäßige NAV-Veröffentlichung entscheidend. Investmentfonds sollten bereits Anfang des Folgejahres Buchungssysteme und Dokumentation zu Modellen vorbereitet haben.  

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche IFRS-Umsetzung und bei Rückfragen oder Unklarheiten stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

 

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