CBAM in Zahlen:
CBAM in Zahlen:
Es ist an der Zeit, die tatsächlichen Kosten von Zertifikaten (CO₂-Steuern) zu berechnen.
Wie sich die erforderliche Anzahl an CBAM-Zertifikaten korrekt berechnen und Emissionsdaten in konkrete finanzielle Kosten umrechnen lassen
Warum komplexe Erzeugnisse, Emissionen aus Vorprodukten und die Berücksichtigung der kostenlosen Zuteilung von Emissionszertifikaten die endgültige CBAM-Verpflichtung erheblich beeinflussen können
Wie sich hochwertige Lieferantendaten und Szenarioberechnungen für die Kostenplanung, Preisgestaltung und das Margenmanagement nutzen lassen
Zahlreiche Unternehmen haben bereits während der Vorbereitungen auf die endgültige CBAM-Phase versucht, diese Frage zu beantworten. In der Praxis haben wir jedoch festgestellt, dass einige Teile der Berechnungsmethodik nicht ausreichend eindeutig waren und vorläufige Berechnungen daher zu erheblich unterschiedlichen Ergebnissen führen konnten. Besonders problematisch waren komplexe Erzeugnisse, der Umgang mit Emissionen aus Vorprodukten sowie die Berücksichtigung der kostenlosen Zuteilung von Emissionszertifikaten im EU-ETS.
Angesichts der aktuellen Präzisierungen der Methodik durch die Europäische Kommission ist jetzt ein geeigneter Zeitpunkt, bisherige Berechnungen erneut zu überprüfen, ihre Richtigkeit sicherzustellen und die voraussichtlich benötigte Anzahl an CBAM-Zertifikaten nach den aktuellen Vorschriften neu zu berechnen. Erst danach lässt sich zuverlässiger bestimmen, welche finanziellen Auswirkungen CBAM auf das jeweilige Unternehmen haben wird.
Von Emissionsdaten zu finanziellen Auswirkungen
Die Berechnung besteht dabei keineswegs nur darin, die eingeführte Warenmenge mit einem Emissionsfaktor und dem Zertifikatspreis zu multiplizieren. Vielmehr fließen zahlreiche Parameter in das Ergebnis ein – beispielsweise tatsächliche Emissionswerte oder Standardwerte für die im Erzeugnis enthaltenen Emissionen, die Vorschriften für Vorprodukte, die Berücksichtigung der kostenlosen Zuteilung im EU-ETS oder ein gegebenenfalls tatsächlich in einem Drittland gezahlter CO₂-Preis.Genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen einer überschlägigen Berechnung und einer Kalkulation, die tatsächlich für die Finanzplanung genutzt werden kann.
Das Ergebnis einer korrekt durchgeführten Berechnung ist nämlich nicht nur eine Angabe zu den Emissionen. Vielmehr liefert sie Informationen, die für das Management wesentlich wichtiger sind: Wie viele CBAM-Zertifikate wird das Unternehmen benötigen und welche Kosten entstehen dadurch bei dem erwarteten Zertifikatspreis?
Bei komplexen Erzeugnissen kann die Berechnung deutlich komplizierter sein
Zu den Bereichen, in denen wir bei der Zusammenarbeit mit unseren Mandanten auf die größten Schwierigkeiten gestoßen sind, gehören komplexe Erzeugnisse und die korrekte Einbeziehung ihrer Vorprodukte.In der Praxis bezieht ein Importeur häufig kein einfaches Erzeugnis direkt von dessen ursprünglichem Hersteller. Beispielsweise kann er ein Produkt von einem ausländischen Hersteller importieren, der für dessen Herstellung Stahl oder andere Materialien von weiteren Lieferanten bezieht. An der Herstellung des Endprodukts können somit mehrere Unternehmen beteiligt sein, teilweise sogar aus unterschiedlichen Ländern.
Ein weiterer methodisch anspruchsvoller Bereich war die korrekte Berücksichtigung der kostenlosen Zuteilung von Emissionsberechtigungen im EU-ETS. Gerade bei komplexen Erzeugnissen war in früheren Berechnungen nicht immer eindeutig, wie dieser Faktor korrekt in die endgültige CBAM-Verpflichtung einzubeziehen ist.
Unsere Erfahrungen aus bisherigen Mandaten zeigen daher, dass Berechnungen, die in einer früheren Phase der CBAM-Vorbereitungen erstellt wurden, erneut überprüft werden sollten. Der Unterschied zwischen einer vereinfachten und einer methodisch korrekten Berechnung wirkt sich letztlich auf die Anzahl der benötigten Zertifikate und damit unmittelbar auf die finanziellen Kosten des Unternehmens aus.
Erste finanzielle Auswirkungen sollten bereits jetzt modelliert werden
Die Verpflichtungen im Zusammenhang mit CBAM-Zertifikaten gelten bereits für Einfuhren, die im Jahr 2026 erfolgen. Unternehmen sollten daher nicht warten, bis die Zertifikate tatsächlich erworben und die entsprechenden Verpflichtungen erfüllt werden müssen.Vielmehr empfiehlt es sich, die Entwicklung der voraussichtlichen finanziellen CBAM-Belastung kontinuierlich zu verfolgen – unter Berücksichtigung der tatsächlich eingeführten Warenmengen, der Zusammensetzung der importierten Erzeugnisse, ihrer Emissionsintensität und des an das EU-ETS gekoppelten Preises.
So kann sich ein Unternehmen fortlaufend mit Fragen befassen, die längst nicht mehr nur die Einhaltung regulatorischer Anforderungen betreffen:
- Welche CBAM-Kosten entstehen uns durch Einfuhren im Jahr 2026?
- Welche Erzeugnisse, Lieferanten oder Herkunftsländer verursachen den größten Anteil der erwarteten Kosten?
- Wie verändert sich das Ergebnis, wenn tatsächliche Emissionsdaten anstelle von Standardwerten verwendet werden?
- Mit welchen Kosten müssen wir im nächsten Quartal oder im gesamten Jahr rechnen?
- Wie wird sich CBAM in den kommenden Jahren auf unsere Kosten und Margen auswirken?
Solche Informationen sind nicht nur für das Team wichtig, das für die Einhaltung der CBAM-Vorschriften verantwortlich ist, sondern auch für das Controlling, den Einkauf, die Preisgestaltung, Verhandlungen mit Lieferanten und die Margenplanung.
CBAM entwickelt sich damit von einer regulatorischen Verpflichtung zu einer finanziellen Größe, die Unternehmen aktiv in ihre Finanzsteuerung einbeziehen sollten.
Lieferantendaten erhalten einen messbaren wirtschaftlichen Wert
Komplexere Berechnungen verdeutlichen zugleich, wie wichtig die Qualität der Daten ist, die von Herstellern und Lieferanten aus Drittländern bereitgestellt werden.Es reicht nicht aus, einen Lieferanten lediglich um „CBAM-Daten“ zu bitten. Ein Unternehmen muss wissen, welche Angaben für die Berechnung tatsächlich erforderlich sind, in welcher Struktur sie bereitgestellt werden müssen und ob sie für die Berechnung geeignet sind.
Die Datenqualität gewinnt damit eine ganz konkrete wirtschaftliche Bedeutung. Wenn sich ein auf tatsächlichen Emissionsdaten beruhendes Ergebnis mit einer Berechnung vergleichen lässt, die entsprechende Standard- oder Ersatzwerte verwendet, kann ein Unternehmen erkennen, welchen finanziellen Nutzen die Beschaffung hochwertigerer Daten von seinen Lieferanten tatsächlich bietet.
Die Zusammenarbeit mit Lieferanten ist daher längst nicht mehr nur ein administrativer Bestandteil der CBAM-Berichterstattung. Sie wird zu einem Bestandteil des Managements zukünftiger Unternehmenskosten.
Von der CBAM-Berechnung zum Management der finanziellen Exposition
Die Erfahrungen aus unseren bisherigen Berechnungen haben wir auch in unser CBAM-Berechnungstool einfließen lassen. Ziel dieses Tools ist es nicht nur, Emissionsdaten in die erforderliche Anzahl an Zertifikaten umzurechnen, sondern auch komplexere Sachverhalte aus der Praxis abzubilden und die CBAM-Verpflichtung nach der aktuellen Methodik zu beziffern.Unternehmen können dadurch ihre voraussichtlichen Verpflichtungen auf Grundlage der tatsächlich erfolgten Einfuhren laufend aktualisieren und gleichzeitig Szenarien für die zukünftige Entwicklung erstellen.
Gerade Szenarioberechnungen können für das Management von entscheidender Bedeutung sein. Sie ermöglichen es beispielsweise, die Auswirkungen unterschiedlicher Emissionswerte, der Importstruktur oder verschiedener Lieferanten zu beurteilen und nachzuvollziehen, wie sich Änderungen der Eingangsparameter auf die Anzahl der benötigten Zertifikate und anschließend auf die erwarteten Kosten auswirken.
Die CBAM-Berechnung muss somit nicht ausschließlich der regulatorischen Erfüllung der Verpflichtungen dienen. Sie kann sich zu einem kontinuierlich einsetzbaren Managementinstrument zur Steuerung der finanziellen Exposition im Zusammenhang mit Einfuhren entwickeln.
Wie viel wird CBAM Ihr Unternehmen kosten?
Meiner Ansicht nach sollten sich Importeure diese Frage bereits jetzt stellen.Für Unternehmen, die ihre CBAM-Kosten bereits in der Vergangenheit modelliert haben, besteht der erste Schritt darin, zu überprüfen, ob die bisherigen Berechnungen der aktuellen Methodik entsprechen – insbesondere dann, wenn das Unternehmen komplexe Erzeugnisse importiert und Vorprodukte in die Berechnung einfließen.
Der nächste Schritt besteht darin, die Qualität der Eingangsdaten zu überprüfen und die berechnete Verpflichtung in die Finanzplanung zu übertragen. So kann das Unternehmen nicht nur die im Laufe des Jahres entstehende CBAM-Exposition verfolgen, sondern auch deren weitere Entwicklung modellieren und diese Informationen bei Entscheidungen über Lieferanten, Einkauf, Preise oder Margen berücksichtigen.
Bei BDO unterstützen wir Unternehmen bei der Anwendung der CBAM-Berechnungsmethodik, beim Aufbau geeigneter Prozesse zur Beschaffung der erforderlichen Lieferantendaten sowie bei der konkreten Ermittlung der voraussichtlich benötigten Anzahl an CBAM-Zertifikaten und der damit verbundenen Kosten. Dabei berücksichtigen wir auch unsere Erfahrungen aus konkreten Situationen, mit denen wir bei der Zusammenarbeit mit unseren Mandanten konfrontiert waren.
CBAM muss somit kein Kostenfaktor sein, dessen tatsächliche Höhe ein Unternehmen erst dann erfährt, wenn die Zahlung fällig wird. Vielmehr kann es sich um einen Kostenfaktor handeln, dessen Höhe das Unternehmen im Voraus kennt, dessen Ursachen es versteht und den es aktiv steuern kann.